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Stiftungsrat Beat Ritz im Interview

Adeline Zumstein Porträt

Sind sie Interessiert, wer Sich für die Stiftung Dorf am Bettlihorn engagiert? Wir stellen uns vor. Im Dritten Interview lernen Sie Beat Ritz kennen. Er verrät, weshalb er sich seit 2009 für die Dorfkernerneuerung von GRENGIOLS EINSETZT UND WAS ER SICH FÜR DEN BETRIEB DES DORFHOTELS WÜNSCHT.

Beat Ritz ist in Grengiols in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Er ist mit einer Grengjerin verheiratet und Vater von 3 erwachsenen Kindern. Nebst seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und Notar in einer eigenen Kanzlei übt(e) er verschiedene Funktionen beruflicher und ausserberuflicher Art aus. So engagierte er sich jahrzehntelang lokal und regional in Vereinen und Verbänden und führt(e) diverse Präsidien. Er war auch Mitglied des Gemeinderats und Gemeindepräsident von Grengiols. Damit kennt er die Geschichte, Bedürfnisse, Möglichkeiten usw. seiner Wohn- und Heimatgemeinde sehr gut und verfügt über ein breites Netzwerk in Politik und Gesellschaft. Das Thema der Belebung von Dorfkernen beschäftigt ihn seit Jahren und insbesondere als Mitglied des Projektteams des POORT A POORT Dorfhotels. In neuerer Zeit bringt er sein unentbehrliches Fachwissen und die reiche Erfahrung mit Optimismus und Leidenschaft in seinen Funktionen als Präsident des Vereins Dorf Grengiols und der Stiftung Dorf am Bettlihorn in Projekte und Ideen zur Belebung und Entwicklung des Dorfes Grengiols ein.  

STIFTUNG: Du engagierst dich schon seit vielen Jahren für die Dorfkernerneuerung in Grengiols und im Landschaftspark Binntal. Was ist deine Motivation?


Beat: Mit solchen Gedanken befasse ich mich konkreter seit 2009, nachdem ich das Amt als Gemeindepräsident von Grengiols angetreten hatte. Im Rahmen von Bestrebungen, in unseren Dörfern die Lichter nicht ausgehen zu lassen, machte ich in Arbeitsgruppen der Region Goms und im Landschaftspark Binntal mit. Kommunal haben wir Befragungen durchgeführt und Inventare erstellt. Und zu Beginn des Jahres 2015 haben wir die Idee eines dezentralen Hotels in einem Team unter der Leitung von Monika Holzegger wieder aufgenommen. Nebst der Erarbeitung eines Reglements zur Unterstützung der Erneuerung von Erstwohnungen im Dorfkern haben wir uns vermehrt der Dorfhotel-Idee gewidmet. Hinzu kommt, dass ich im Dorf Grengiols aufgewachsen bin. Es gibt Erinnerungen daran, wie Leute sich dort täglich getroffen und wie wir dort gespielt haben - ja, gar vieles blieb haften und begleitet mich durch mein Leben. Und diese Erfahrungen stärken die persönliche Überzeugung, dass dieses Dorf seinen eigenen Charme hat und es verdient, es auf Dauer lebendig und belebt zu erhalten.


"Es gibt Erinnerungen daran, wie Leute sich dort täglich getroffen und wie wir dort gespielt haben (...) diese Erfahrungen stärken die persönliche Überzeugung, dass dieses Dorf seinen eigenen Charme hat und es verdient, es auf Dauer lebendig und belebt zu erhalten." Beat Ritz


STIFTUNG: Warum sind die Dorfkernerneuerung und die Belebung der Dörfer so wichtig?


Beat: Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf Gesellschaft und Gemeinschaft ausgerichtet. Dazu sind Treffpunkte und Gelegenheiten zum Austausch wichtig. Diese Möglichkeiten bieten ein Dorf und das Dorfleben mit Veranstaltungen, geschäftlichen Angeboten und mit spontanen Begegnungen. Ebenso wichtig und sinnvoll sind bauliche Erneuerungen. Solche machen freilich erst dann wirklich Sinn, wenn Bauten zeitgemäss genutzt werden können. So lautet der Slogan der Stiftung Dorf am Bettlihorn bewusst: Altes beleben, Neues bewirken.

STIFTUNG: Kann man dies nicht der Eigeninitiative überlassen?


Beat: Man kann oder könnte. Doch wie war es noch vor einigen Jahren mit Renovationsvorhaben im Dorf Grengiols? In unseren Kreisen lassen wir stets verlauten, dass wir uns zurückhalten, wenn Private bereit und willens sind, sich mit Erneuerungen usw. zu befassen. Wir sind dankbar für jede Eigeninitiative und können mit Freude feststellen, dass sich inzwischen einiges getan hat und tut. 


"Wir sind dankbar für jede Eigeninitiative und können mit Freude feststellen, dass sich inzwischen einiges getan hat und tut." - Beat Ritz


STIFTUNG: Worin siehst du den grössten Nutzen des künftigen Dorfhotels?


Beat: Wenn vermehrt davon gesprochen und geschrieben wird, gibt es einerseits Vorwirkungen und andererseits auch vermehrte Zuversicht, dass sich einiges ändern und verbessern lässt. Dazu leisten wir unseren Beitrag. Und von der Realisierung des Projekts versprechen wir uns dauerhafte Angebote an Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten, einen regen Austausch zwischen Einheimischen und Feriengästen und auch Arbeitsmöglichkeiten. Für das Dorf und die Gemeinde Grengiols gibt es zusätzliche Bekanntheit, wie wir dies bereits mit der nationalen Dorfkerntagung (2019) und mit der letztjährigen Preisverleihung (Goldener Caesar) erleben konnten. Eingebettet in den Landschaftspark Binntal und mit den Tourismusmagneten Goms und Aletsch Arena haben wir lokal und regional einiges zu bieten.

STIFTUNG: Wo steht ihr in der Umsetzung?


Beat: Nach zahlreichen Sitzungen und Gesprächen haben wir seit 2015 mit einem Dreigespann einiges erreicht oder organisieren können: Der Verein Dorf Grengiols befasst sich in erster Linie mit Veranstaltungen, mit der POORT A POORT Dorfhotel AG haben wir einen sehr passenden Namen für den zukünftigen Betrieb und die Stiftung Dorf am Bettlihorn ist zentral für die Mittelbeschaffung. Nach einem erfolgreichen Start im Jahre 2019 wurden wir mit der Corona-Pandemie arg ausgebremst. Wir blieben aber dran und haben insbesondere seit Sommer 2021 unsere Anstrengungen wieder erhöht. Nebst vielen anderen kleineren und grösseren Spenden ermöglicht uns die Zusage eines grossen Unterstützungsbeitrags die Konkretisierung unserer Pläne. Inzwischen ist der Kaufvertrag für das ehemalige Restaurant Bettlihorn mit der Wohnung im 1. Stock dieses Hauses abgeschlossen. So geht es nun um die Planung von Um- und Ausbauten, weiterhin um Bestrebungen zur Mittelbeschaffung sowie um Vorbereitungen für den zukünftigen Betrieb. 

STIFTUNG: Was wünschst du dir für den Betrieb des Dorfhotels? Wirst du selbst dort einmal übernachten?


Beat: Ich wünsche mir, dass sich unsere Pläne verwirklichen lassen und wir mit dem Dorfhotel auf Dauer dazu beitragen können, dass es im Dorf Grengiols Leben, Veranstaltungen, Begegnungen und Aktivitäten geben wird und in möglichst vielen Häusern abends oft die Lichter brennen. Der Name POORT A POORT möge Programm und Sinnbild für einen regen Austausch sein. Freilich ist auch zu wünschen, dass das Dorfhotel wirtschaftlich betrieben werden kann. Dass ich dort einmal übernachten werde, schliesse ich nicht aus. Und in Erinnerung an meine Tätigkeit im Gastgewerbe zu Studienzeiten kann ich mir durchaus vorstellen, im Betrieb in irgendeiner Form oder als «Mädchen für alles» auszuhelfen. 


"Ich wünsche mir, dass (...) es im Dorf Grengiols Leben, Veranstaltungen, Begegnungen und Aktivitäten geben wird und in möglichst vielen Häusern abends oft die Lichter brennen. " Beat Ritz


STIFTUNG: Mit der Stiftung Dorf am Bettlihorn habt ihr euch die Realisierung des Dorfhotels zum Ziel gesetzt. Welche Projekte wollt ihr darüber hinaus verfolgen?


Beat: Aktuell und zum Beginn stehen der Erwerb und die Erneuerung von Bauten und alsdann deren Betrieb im Vordergrund. Die Stiftung hat aber namentlich auch zum Zweck, sich mit geschichtlichen, architekturhistorischen und denkmalpflegerischen Themen zu befassen. So geht die Bitte an heutige und frühere Eigentümer, alles zu sammeln und zu erhalten, was für die «Geschichte» von Gebäuden und von deren Bewohnern interessant sein könnte. Zudem interessieren uns Fragen zu Bauteilen aus der Zeit vor dem Dorfbrand 1799.

STIFTUNG: Was ist deine Vision für Grengiols? Wo steht das Dorf Grengiols deiner Meinung nach in 10 Jahren?


Beat: Aktuell ist Grengiols – schweizweit - in aller Munde. So lässt sich durchaus hoffen, dass mit den laufenden Projekten zusätzlicher Schwung in unser Dorf kommen wird. Damit möge es uns gelingen, die Schule, den Dorfladen, Restaurants, die Sennerei und auch andere Betriebe fortzuführen, Vereine zu erhalten und zu reaktivieren sowie kulturelle und wirtschaftliche Angebote zu fördern und zu pflegen, kurzum: Leben findet statt! So haben wir in 10 Jahren möglicherweise 500 zufriedene Personen mit Wohnsitz in Grengiols und zahlreiche Gäste, denen es bei uns gefällt.  


Die Stiftung «Dorf am Bettlihorn» bezweckt seit Aufnahme ihrer Tätigkeit anfangs 2020 die Unterstützung von Bestrebungen zum Erhalt, zur Erneuerung und zur Belebung des Dorfes Grengiols mit seinen historischen Gebäuden. 

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